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Suchend schaut der amerikanische Colonel George Custer
von einer Anhöhe über die zerklüftete, hügelige Landschaft von Montana. Bei ihm sind einige Crow-Indianer, die als Scouts ( Späher ) in seinen Diensten stehen. Unten haben seine Männer des 7. Kavallerie-Regiments ihr Nachtlager bezogen. Die Scouts weisen auf etwas Undeutliches im Tal des
Little-Bighorn Flusses in einer Entfernung von etwa 15 Kilometern ( das Lager der Feinde: Sioux-, Cheyenne- und Arapaho-Indianer.
Man schreibt den 25. Juni 1876, etwa acht Uhr. Im Morgendunst kann der blonde, langhaarige Colonel die Zeltstadt kaum erkennen. »Wie viele sind es?« fragt er. Die Crows
(sie sind die Erzfeinde der Sioux) schätzen die Zahl der Gegner auf achthundert. Custer hat Befehl, morgen mit seinen Truppen den Little Bighorn
zu überqueren und die verbündeten Indianer anzugreifen. Zeitgleich soll Oberst John Gibbon mit seinem Regiment aus nördlicher Richtung die Zeltstadt in die Zange nehmen.
Plötzlich entdecken die Crows auf einer anderen Anhöhe die Umrisse von Sioux-Kundschaftern, die lautlos auf ihren Ponys sitzen und das 7. Kavallerie-Regiment beobachten. Jetzt kann von einem
Uberraschungsangriff keine Rede mehr sein. Custer muss umdisponieren, er kann nicht länger auf Gibbon warten. Wenn das 7. Regiment nicht heute noch angreift, werden die Gegner in der nächsten Nacht in alle Himmelsrichtungen
flüchten.
Diese karge Gegend, Black Hills (Schwarze Hügel) genannt wurde 1868 den Sioux
und ihren Verbündeten in einem Friedensvertrag mit der US-Regierung als ewiges Erbe zugesprochen. Für die Weißen galt sie als wertlos. Doch als man dort um 1870 Gold entdeckte, strömten Schatzsucher und Abenteurer ohne Befugnis in das Gebiet der Indianer. Deren Führer protestierten zunächst friedlich dagegen, wurden aber nicht ernst genommen. Als die Regierung in Washington anbot, das Land von den Indianern zu kaufen, lehnten sie ab und bereiteten sich vor, ihre Rechte zu verteidigen. Zahlreiche junge Krieger aus mehreren Reservaten schlossen sich der Bewegung an.
Daraufhin schickte im Februar 1876 General Philip Sheridan, Oberkommandierender der US-Streitkräfte, erprobte Indianerkämpfer in die Black Hills, um die Rebellion mit Gewalt zu beenden: die
Generäle Terry und Crook mit ihren Offizieren, darunter George Custer.
Um neun Uhr bespricht der Colonel die veränderte Lage mit seinen Unteroffizieren, Hauptmann Frederick Benteen und Major Marcus Reno. Custer
will das Regiment teilen, um den Feind aus drei Richtungen einzukreisen. Er selbst will mit 250 Männern dem Grat der Anhöhe folgen und die Zeltstadt von Nordwesten stürmen; Reno
soll das Lager mit 145 Soldaten von Süden angreifen und Benteen mit 125 Männern im Südwesten am Little Bighorn fliehende Indianer abfangen. Um Mittag brechen die Truppen auf.
Gegen 15 Uhr kommt Custer dem Feind so nahe, dass er zum ersten Mal das ganze Ausmaß des Zeltlagers überblicken kann. Seine Späher haben sich offensichtlich geirrt: Das ist ein Meer von Zelten! Nicht
achthundert Menschen halten sich hier auf, sondern mindestens zehntausend Männer, Frauen und Kinder ( unter ihnen Tausende von Kriegern) !
Von der Anhöhe aus sieht der Colonel die Truppen von Major Reno
bereits im erbitterten Kampf gegen die Allianz der Indianer. Bevor er ihm zu Hilfe eilen kann, tauchen plötzlich etwa 75 Krieger auf dem nächsten Hügelkamm auf.
Custer will sie sich schnappen. »Nur die Ruhe«, ruft der fanatische Indianerfeind seinen Männern aufmunternd zu >> es gibt genug von ihnen für uns alle!<< Aber er will sich absichern: »
Benteen, komm schnell. Bring Munition!« kritzelt er auf einen Zettel; der Regimentstrompeter Giovanni Martini, ein Einwanderer aus Italien, hat Befehl die Nachricht so schnell m möglich dem Hauptmann zu
überbringen.
Custer und seine Männer galoppieren los, werden aber im Handumdrehen von Tausend Kriegen umringt. Die Indian unter der geschickten Führung ihrer Häuptlinge
Crazy Horse, Sitting Bull und Gall, sind bestens ausgerüstet: Neben Pfeil u Bogen haben sie auch zielgenaue Repetiergewehre, die Soldaten dagegen nur einfache Karabiner. Major Reno, der sich
mittlerweile mit der verbliebenen Hälfte seiner Truppe in Sicherheit gebracht hat nimmt die Schlacht aus der Ferne wahr, kann Custer aber nicht zu Hilfe eilen.
Die Soldaten des Colonels kämpfen verzweifelt um ihr Leben, aber gegen den Kugel- und Pfeilhagel des Feindes haben sie keine Chance: Sie fallen wie Fliegen. Die Indianer zeigen kein Erbarmen und metzeln
ihre Feinde gnadenlos nieder, (nach zwei Stunden sind alle tot) skalpiert und fürchterlich verstümmelt.
Dieser große Sieg der Indianer ist allerdings ihr letzter. Denn die Rache des weißen Mannes ist fürchterlich: In den nächsten Monaten durchkämmen weitere Regierungstruppen die Black Hills und
schlachten die Indianer massenweise ab. Für die Überlebenden sind die Tage der Freiheit gezählt: Ab 1880 leben fast sämtliche Ureinwohner Amerikas ohne Rechte und geächtet in Reservaten.
Nach 400 Jahren Unabhängigkeitskriege ist der Rote Mann endgültig besiegt.
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